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In nur fünf Wochen zum NFL-Fan – Teil 2: Die Grundlagen

In vier Wochen ist Kick-Off der NFL-Saison 2013/14. Die Voraussetzungen sind schon mal geben, du hast dir ein Lieblingsteam angelacht und eine Möglichkeit besorgt, auch mal einen Match anzuschauen. Höchste Zeit also, dir ein Grundverständnis dieses Sports anzueignen. Schliesslich bist du keiner dieser Homeboys, der glaubt, das „NY“ auf seinem Baseball Cap sei das Label von Jay-Z. Ein bisschen was solltest du verstehen vom Sport des Teams, dessen Logo deine neuste Kopfbedeckung ziert. Dabei wirst du nicht darum herum kommen, ein paar englische Spezialbegriffe zu lernen. Ich setze die jeweils in eckige Klammern. Merk sie dir, es hilft, den Kommentar bei Livespielen zu verstehen.

Football ist nicht wie Fussball…

Der Anfang kommt dir bekannt vor: rechteckiges (Kunst-)Rasenfeld, elf gegen elf Männer, ein Ball. Jetzt hört es aber schon auf mit den Gemeinsamkeiten zum europäischen Klubfussball. Die zwei wohl entscheidendsten Unterschiede sind:

  • Es gibt nach jedem Spielzug einen Unterbruch
  • Für einen neuen Spielzug kann die ganze Mannschaft ausgewechselt werden

Tiki-Taka gibt’s also im American Football nicht – aber auch kein Mittelfeldgeplänkel. Man muss sich das eher vorstellen wie ein Freistoss nach dem anderen. Wenn man jetzt für jeden Freistoss die ganze Mannschaft auswechseln könnte, sähe Fussball wohl sehr anders aus. Kein Stürmer müsste mehr Verteidigungsarbeit leisten und für die Mauer würden extra zweieinhalb Meter lange Hünen angeschafft, auch wenn sie mit dem Fuss keinen Ball treffen.

Genau diese Spezialisierung hat im American Football stattgefunden und lässt uns Europäer ab und zu über die Dickwänste lachen, die nach einem zehn Meter Sprint die Sauerstoffmaske aufsetzen. Wir werden die einzelnen Spielerpositionen in den nächsten Wochen genauer anschauen. Heute geht’s um die „Freistösse“: Was bringen sie? Wie beginnen sie? Wie enden sie? Wer führt sie aus?

… sondern eher wie Linienball

Ein Football-Feld ist 100 Yard lang (91.4m) und ca. 50 Yard breit. Das Ziel des angreifenden Teams [Offense] ist es, mit einer Folge von „Freistössen“ über das ganze Feld zu marschieren und den Ball hinter die gegnerische Grundlinie in die sogenannte Endzone zu bringen [Touchdown]. Hast du in der Jugendriege Linienball gespielt? Genau so…

Die Offensive hat vier „Freistösse“ [ab jetzt nennen wir sie „Downs“], um 10 Yard vorwärts zu kommen. Schafft sie das nicht, geht der Ball an den Gegner über. Wie beim Golf wird dort weitergespielt, wo der Ball beim vorherigen Spielzug liegen geblieben ist. Sind die 10 Yard geschafft, wird der Zähler zurückgestellt. Das Team hat für die nächsten 10 Yard wieder vier Downs zur Verfügung. Es reicht also aus, absolut zuverlässig 3 Yard vorwärts zu kommen. Das schafft man mit Froschhüpfen… wäre da kein Gegner.

Die Offensive hat zwei Möglichkeiten, vorwärts zu kommen: Ball unter den Arm klemmen und ab durch die Mitte [Running Game]. Oder mit einem Pass durch die Luft [Passing Game]. Den Ball nach vorne werfen darf nur ein Spieler, der Quarterback. Der Spieler, der den Ball fängt [Receiver] darf aber weiter rennen. Der Spielzug ist beendet, wenn der balltragende Spieler mit Knie, Ellbogen oder Füdli am Boden ist und vom Gegner berührt wird [Down by Contact]. Ein bisschen wie Fangis, nur ist die Defensive nicht gerade zimperlich darin, den Ballträger zu Boden zu werfen [Tackling].

Schafft es die Offensive übers ganze Feld, kann sie sich sechs Punkte für einen Touchdown gutschreiben lassen und kriegt noch so was wie einen Freiwurf: Kommt sie nochmals in die Endzone, gibt’s zwei Punkte, kickt (ja! es wird im American Football auch mit dem Fuss gekickt) sie den Ball zwischen zwei Pfosten durch, gibt’s einen „Extra Point“.

Wird die Offensive unterwegs gestoppt, geht der Ball an den Gegner über. Entweder fängt die Defensive einen Pass ab [Interception] oder der Ballträger lässt den Ball fallen [Fumble] und sie kann ihn sich erobern [Fumble Recovery]. Viel häufiger ist aber, dass die Offensive in ihren vier Downs nicht über 10 Yard hinaus kommt. Je näher bei der eigenen Endzone einem das passiert, desto kürzer wird der Weg für den Gegner zum eigenen Touchdown.

Was tun? Genau: den vierten Versuch dazu nutzen, den Ball soweit wie möglich weg zu kicken – ja, wieder mit dem Fuss [Punt]. Am besten an die Grundlinie des Gegners, damit dieser die ganzen 100 Yard vor sich hat. Beim Punt lauert aber auch Gefahr. Der Gegner darf den Ball nämlich fangen und schon mal ein paar Yard Richtung gegnerische Endzone laufen. Schafft er den ganzen Weg, nennt man das einen Punt Return Touchdown.

Wird die Offensive erst spät gestoppt, kann sie im vierten Down auch punkten. Wie beim Extra Point muss sie hier zwischen die beiden Posten am Spielfeldende kicken. Das so erzielte Field Goal gibt drei Punkte. Gute Kicker treffen zuverlässig ab ca. 50 Yard.

Und nun: Ab vor den Fernseher

Voila, dieses bisschen Theorie war nötig – und genügt, um einem Spiel schon einigermassen folgend zu können. Wenn du dir den Game Pass tatsächlich besorgt hast, kannst du schon mal einsteigen und dir die Vorbereitungsspiele [Pre-Season] ansehen. Mach es dir dafür auf deinem Sofa so richtig gemütlich. Ein Spiel besteht zwar nur aus vier fünfzehnminütigen Vierteln [Quarter], die Uhr wird aber ziemlich häufig gestoppt, so dass ein ganzes Spiel gut drei Stunden dauert.

Und solch wunderschöne „Drives“ wie diesen gibt es dabei zu sehen (hier klicken!): Perfekt getimte Pässe, Wide Receiver, die noch ein paar Yard dranlegen und Running Backs, die fast unberührt in die Endzone marchieren: TOUCHDOWN! TOUCHDOWN BEARS!!

 

In nur fünf Wochen zum NFL-Fan:
1. August         Teil 1: Die Voraussetzungen
8. August       Teil 2: Die Grundregeln
15. August       Teil 3: Die Offensive
22. August       Teil 4: Die Defensive
29. August       Teil 5: Special Teams und Special Plays

 

Simon Stalder

Brauchte auf einer USA-Rundreise mal schnell ein paar kurze Hosen… und ist seither völlig irrationaler Fan der Chicago Bears...! Grösster Erfolg als Fan: YB Schweizer Meister 1986. Grösstes Ereignis als Fan: Chicago Bears vs. Tampa Bay Buccaneers im Londoner Wembley. Grösster Erfolg als Sportler: Finisher GP Bern 2013.

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