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In nur fünf Wochen zum NFL-Fan – Teil 3: Die Offensive

Eigentlich bist du nach Teil 1 und Teil 2 unserer Serie bereit für die NFL: du kennst die wichtigsten Grundregeln, hast eine Möglichkeit, American Football zu schauen, und eine Partnerin, die das toleriert… Und du hast dein Lieblingsteam. Dieses möchtest du jetzt aber noch etwas besser kennen lernen. Der Sportsblog hilft dir dabei, heute mit einem Fokus auf die Offensive.

Die Identität deines Teams

Ein (gutes) Football-Team hat seine eigene Identität. Im Verlauf der Saison wirst du diejenige deines Teams sehr genau kennen. Für den Anfang machen wir es uns aber einfach und unterscheiden drei Typen.

Pass Happy:
Du hast dich für die Green Bay Packers oder die New Orleans Saint entschieden? Herzlichen Glückwunsch! Dein Team ist schon Meister in dem, was die ganze Liga zu werden droht: Pass Happy. Dein Quarterback ist ein Superstar. Er wirft die Bälle im Akkord seinen Wide Receivern und Tight Ends zu. Den Drive schliesst er mit einem Kunstwurf in die Endzone ab: Touchdown.

Run Heavy:
Die alte Schule – wie Al Pacino schon sagte: Inch by Inch, Play by Play. Du hast dir die Minnesota Vikings angelacht? Oder die Kansas City Chiefs? Dein Team läuft „Run Heavy“. Die Hauptaufgabe deines Quarterbacks ist es, den Ball an den Running Back weiter zu geben. Dieser ist der Motor deiner Mannschaft, das Team sein Pflug. Schub um Schub kämpfen sie sich nach vorne und versuchen am Schluss, den Ball irgendwie über die Linie in die Endzone zu drücken: Touchdown.

Defense First:
Pittsburgh Steelers oder Chicago Bears? Komm nächste Woche wieder vorbei, dann schauen wir uns die Defensive an…

Zuschauen, lernen und geniessen

Wenn du dir ein ganzes Spiel anschaust, oder auch nur die Game Highlights auf NFL.com, wirst du die Stärken und Schwächen deines Teams ziemlich schnell erkennen – vorausgesetzt du kennst die Spielerpositionen und deren Aufgaben. Wir kommen deshalb auch hier nicht ohne ein bisschen Theorie aus. In aller Kürze und in Prosa:

Vor jedem Spielzug stellt sich die Offensive an der sogenannten „Line of Scrimmage“ auf. Das ist eine imaginäre Linie auf der Höhe des Balls (im Fernseher als blaue Linie sichtbar). Kein Spieler darf vor dem Spielzug auf der Seite des Gegners stehen, so ähnlich wie beim Ankick im Fussball. Ein Spieler, der Center, hat die Hände am Ball, alle anderen – und mit ihnen wir Zuschauer – warten gespannt. Zum Startschuss braucht keine Platzpatrone abgefeuert zu werden. Es reicht, dass der Center den Ball an den Quarterback weitergibt, und alles ist in Bewegung… auch die Defensive. Die hat nur ein Ziel: Den Mann mit dem Ball so schnell wie möglich auf den Boden zu drücken.

Viel Zeit zum blöd Rumstehen bleibt dem Quarterback also nicht. Wir kennen seine Möglichkeiten: den Ball an den Running Back weitergeben oder einem Receiver zuwerfen. Je nach Wahl fällt den Spielern eine andere Rolle zu.

 Running Game

Simple und Einfach: Der Running Back trägt den Ball nach vorne, die zehn anderen Spieler boxen ihm den Weg frei. Der Fullback ist dabei quasi der Vorfahrer. Am wichtigsten ist aber die sogenannte „Offensive Line“ (Center, Offensive Guard, Offensive Tackle). Sie sind die stämmigen Burschen, die die Defensive wegpflügen und für den Running Back Platz schaffen müssen. Dabei geraten sie ab und zu unter Sauerstoffmangel und müssen an die Maske. Aber hey: von Abderhalden Jörg erwartet auch keiner Topzeiten im Sprint. Von einem Running Back noch eher… und tatsächlich: Der schnellste NFL-Running Back (Chris Johnson von den Titans) rennt 40 Yard in 4.24 Sekunden. Justin Gatlin (100-Meter Gold an der Olympiade 2004 in Athen) brauchte 4.42 Sekunden!

Die schönsten Spielzüge sind die, in denen der Running Back einfach ab durch die Mitte düst. Wie im Trickfilm: Anlauf holen und zzziiiisssch!!

Passing Game

Hier übergibt der Quarterback den Ball nicht dem Running Back, sondern wirft ihn nach vorne. Er braucht dabei zweierlei Hilfe: Leute, die ihm die Defensive vom Leib halten (Offensive Line, manchmal mit Hilfe von Running Back und Tight End) und Leute, die den Ball fangen (Wide Receiver, manchmal auch Running Back oder Tight End).

Es gibt im Sport nichts Erhabeneres als ein Ball, der zwei, drei Sekunden völlig ruhig durch die Luft fliegt, um dann per Volley in die Maschen gedonnert, mit einem Slam Dunk in den Korb gedrückt oder eben: von einem Receiver zum Touchdown gefangen zu werden! Hier ein Müsterchen

Ein Spielzug ist fertig, wenn der balltragende Spieler zu Fall gebracht worden ist. Oder wenn der Ball vom keinem Spieler gefangen werden kann [Incomplete Pass]. In diesem Fall hat die Offensive ein Leben verschenkt – es geht vom gleichen Ort ins nächste Down. Noch schlimmer ist aber, wenn ein Defensivspieler den Ball abfängt [Interception] oder der Ball fallengelassen [Fumble] und von einem Defensivspieler aufgelesen wird [Fumble Recovery]. Dann geht der Ball zum Gegner über, und zwar gleich jetzt sofort. Der Spielzug läuft weiter, die Spieler der Offensive müssen plötzlich verteidigen und der Spieler der Defensive hat die Chance, einen Touchdown zu scoren. Es gibt Spiele, da erzielt die Defensive mehr Punkte als die Offensive… eben: Defense First.

Die Anzeigetafel

So. Am besten hockst du dich jetzt gleich vor den PC und geniesst auf dem Video-Portal der NFL drei, vier Videos deiner Offensive (am besten einfach die Touchdowns deines Teams). Damit du auch weisst, wo dein Team steht, wirfst du einen Blick auf die Anzeige. Hier werden Spielstand und Uhr angegeben. Es steht aber irgendwo auch so was wie „1st & 10“ oder „3rd & 4“. Vor dem „&“ wird das Down angegeben, danach die Anzahl Yard, die für ein neues First Down noch gebraucht werden. Auch „2nd & 13“ ist möglich. Dann hat die Offensive im ersten Down drei Yard verloren, der Running Back wurde beispielsweise getackelt, bevor er einen Schritt nach vorne machen konnte.

Viel Spass! Teil uns mit, welches Team du dir ausgesucht hast… und was dich mehr begeistert: ein langer Pass oder ein tougher Run.

 

In nur fünf Wochen zum NFL-Fan:
1. August       Teil 1: Die Voraussetzungen
8. August       Teil 2: Die Grundregeln
15. August   Teil 3: Die Offensive
22. August     Teil 4: Die Defensive
29. August     Teil 5: Special Teams und Special Plays

 

Simon Stalder

Brauchte auf einer USA-Rundreise mal schnell ein paar kurze Hosen… und ist seither völlig irrationaler Fan der Chicago Bears...! Grösster Erfolg als Fan: YB Schweizer Meister 1986. Grösstes Ereignis als Fan: Chicago Bears vs. Tampa Bay Buccaneers im Londoner Wembley. Grösster Erfolg als Sportler: Finisher GP Bern 2013.

Kommentare (7) Schreibe einen Kommentar

  1. Phuu… bei Frauen ist das immer ein bisschen schwierig, Teams aus den Cowboy- und Whisky-Staaten im Süden und mittleren Westen fallen da schon mal weg. Zudem sollte es noch ein bisschen kultiviert sein, oder? Die Arbeiterclubs von Philadelphia und Baltimore scheiden also aus. Florida ginge, aber die drei Teams sind grad ziemlich weit vom Superbowl weg. New York? Hat zwar zwei Teams, die spielen aber beide in Jersey. Bleiben New England (Bosten und Umgebung), New Orleans, Atlanta und Chicago… Chicago ist familienintern wohl schon besetzt, Atlanta ein bisschen langweilig. Wähle zwischen New England und New Orleans. New England hat den schöneren Quarterback, New Orleans die schönere Uniform.

    Bin gespannt, welches Team du wählst!

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    • Super danke für die Tipps!! Hab mich für New England entschieden (aber nicht nur wegen des Quarterbacks;-))

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  2. Tschau Simon
    lese deinen Blog mit viel Vergnügen. Allerdings habe ich mich bis jetzt nicht auf ein einziges Team festlegen können. Bin gespannt was du einem Landei für einen Vorschlag machst.
    Gruss aus Mandach

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  3. Salut Hagi
    Das ist einfach. Ein Team aus der Heimat der USA-Vogts, Ohio: Cincinnati Bengals! Genug provinziell für einen Mandacher, ziemlich gut drauf im Moment, und falls du es mal nach Lima schaffst, bist du in 2 Stunden an einem Heimspiel deines Teams. Schau also drauf, dass du im Herbst / Winter gehst!

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  4. Pingback: In nur fünf Wochen zum NFL-Fan – Teil 4: Die Defensive | Sports Blog

  5. Hi Simon,

    Bin gerade am Superbowl schauen, darf der Quarterback selbt nicht nach vorne rennen und Punkte machen?

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