NFL Serie Sportsblog

In nur fünf Wochen zum NFL-Fan – Teil 5: Special Teams und Special Plays

Heute in einer Woche beginnt die NFL-Season 2013/14. Und du bist bereit! Du kennst die Grundregeln, die Spieler der Offensive und der Defensive und ihre Spielzüge. Und – das wichtigste – du hast eine Lieblingsmannschaft! Egal ob Patriots, Browns, Buccaneers, Dolphins oder sonst ein Team. Sie alle spielen im nächsten halben Jahr mindestens 16 Spiele, vielleicht auch noch zwei oder drei mehr. Du wirst viel Freude haben an deinem Team, und dir ab und zu wünschen, du hättest ein anderes ausgesucht.

Was du jetzt noch tun kannst, ist dir ein bisschen Material für ein Expertengespräch anzueignen: Wenn du den letzten Teil unserer Serie gelesen hast, kennst du die Spieler der „Special Teams“, kannst ein paar Trickspielzüge zum Besten geben und weisst, was hinter einem der meistgenannten Sätze der Fernsehkommentatoren steckt: „There is a Flag on the Play“.

Special Teams

Zuerst zu einer ganz speziellen Gattung Spieler, den „Special Teamer“. Sie werden bei Ankick zum Start einer Halbzeit oder nach einem Touchdown aufgeboten. Oder um ein Field Goal zu erzielen. Auch hier stehen jeweils elf gegen elf Leute auf dem Feld. Die meisten davon reguläre Spieler der Offensive oder der Defensive. Ein paar wenige aber sind absolute Spezialisten:

Kicker: Er kickt den Ball mit dem Fuss. Der Ball liegt – oder eher: steht – dabei auf dem Boden, also wie beim Abstoss im Fussball. Und weil der Football-Ball nicht rund ist, braucht es ein kleines Gestell oder einen Mitspieler, um den Ball zu halten. Der Kicker macht das Anspiel und punktet Field Goals oder Extra Points. Er ist ein ziemlich wichtiger Spieler und braucht eiserne Nerven. Oft entscheidet ein Field Goal in letzter Sekunde über Sieg oder Niederlage. So wie hier.

Long Snapper: Beim Field Goal kommt noch ein anderer Spezialist zum Einsatz: Der „Long Snapper“. Er ist anstelle des Center auf dem Feld und hält den Ball vor dem Snap. Der Ball muss aber nicht einfach dem Quarterback übergeben werden, sondern rund 10 Yard nach hinten zum „Holder“ fliegen. Geworfen wird zwischen den eigenen Beinen durch. Tönt nach easy Job, aber seit ich beim Kubb-Spiel mal versucht habe, den König mit einem Wurf zwischen die Beine durch zu treffen, habe ich grossen Respekt für die Long Snapper.

Punter: Er kickt den Ball auch mit dem Fuss. Aber aus der Hand. Er kommt jeweils im vierten Down der Offensive zum Einsatz, wenn diese nach drei Downs keine 10 Yards geschafft hat. Er versucht, den Ball möglichst nahe an die Endzone des Gegners zu kicken, damit dessen Offensive einen langen Weg zum eigenen Touchdown hat.

Kick- und Punt-Returner: Die Punts und die Kicks beim Anspiel können vom Gegner gefangen und bereits ein Stück zurückgetragen werden. Derjenige Spieler, der den Ball fängt, heisst „Returner“. Er ist im richtigen Leben meist Wide Receiver, Running Back oder Cornerback, es gibt aber Teams, die haben einen Spieler, der macht nichts anderes. Hier könnt ihr Punter und Punt-Returner bei ihrer Arbeit zusehen.

Special Plays

Es gibt im American Football ein paar Trickspielzüge, die auch den abgeklärtesten Zuschauer vom Sitz reissen und ihm ein „ihr geile Sieche“ (wenn der Spielzug klappt) oder ein „ihr Vollpföschte“ (wenn er nicht klappt) entlocken. Drei davon solltest du kennen:

Play-Action Fake: Sozusagen der Standard-Trick einer Offensive. Der Quarterback tut so, als übergebe er den Ball dem Running Back. Der Running Back tut so, als hätte er den Ball unter den Armen und sprintet los. Wenn der Trick funktioniert, wirft sich die Defensive auf den Running Back und der Quarterback kann den Ball einem freien Receiver zuwerfen. Wenn es nicht funktioniert, steht der Quarterback ziemlich ungeschützt der Defensive Line gegenüber und muss wohl einen Sack einstecken. Hier hat es funktioniert.

Onside Kick: Beim Anspiel hat die kickende Mannschaft eine kleine Chance, den Ball zu behalten. Ein Kick muss mindestens 10 Yard in der Luft sein, danach ist er frei. Blöd nur, dass dort schon Spieler des Gegners stehen. Schafft es ein Spieler der kickenden Mannschaft trotzdem irgendwie, an den Ball zu kommen, darf er damit zwar nicht weiterrennen, aber immerhin bleibt sein Team in Ballbesitz. Damit gewinnt nach auch schon mal den Superbowl.

Fake Punt: Bei diesem Punt wird nicht wie oben beschrieben der Ball mit einem weiten Kick an den Gegner abgetreten, sondern man tut nur so, als wolle man das machen. Aber statt den Ball zu kicken, spielt der Punter ein bisschen Running Back oder Quarterback. Er versucht also die fehlenden Yard zu erlaufen oder einen Pass zu einem Wide Receiver zu werfen. Letzteres hat er hier geschafft.

Flag on the Play

Es gibt im American Football ziemlich viele Schiedsrichter auf dem Feld. Diese tun, was Schiedsrichter halt so tun: Spiel anpfeifen, Zeit stoppen, Punkte zählen – und Fouls ahnden. Für letzteres haben sie ein gelbes Pochettli im Revers, genannt Flag. Diesen Stofffetzen werfen sie auf das Feld, wenn ein Spieler eine Regelwidrigkeit begangen hat. In vielen Fällen wird der Spielzug dann noch zu Ende gespielt und die Schiedrichter entscheiden im Anschluss über eine allfällige Strafe. Sie dürfen für den Entscheid auch Videoaufnahmen konsultieren… Liest Sepp Blatter diesen Blog eigentlich auch…?

Die Strafen [Penalties] setzen dort an, wo es am meisten weh tut: bei den Yards. Macht die Offensive beispielsweise einen Fehlstart, muss sie fünf Yards zurück. Passiert das im ersten Down, heisst es nun nicht mehr „1st and 10“, sondern „1st and 15“. Die Offensive muss mit ihren vier Versuchen also neu 15 Yards überwinden, will sie auf dem Feld bleiben.

Es gibt ziemliche viele Möglichkeiten, sich eine Strafe einzuheimsen. Du wirst dich beim Schauen eines Footballspiels ab und zu Fragen: was ist denn jetzt los? In drei, vier Jahren wirst du dich aber ziemlich gut auskennen. Hier als Starterhilfe drei Fouls, die du sicherlich mal sehen wirst:

False Start: Oben schon kurz erwähnt. Die Offensive-Line darf sich in den Sekunden vor der Ballübergabe [Snap] an der Quarterback nicht bewegen. Zuckt einer der Lineman mit den Wimpern, wird abgepfiffen und der Spielzug wird fünf Yard weiter hinten wiederholt.

Holding: Ein Spieler darf von seinem Gegner von vorne geblockt werden. Aber nicht von hinten zurückgezogen werden. Auch dieses Foul passiert meist den Lineman der Offensive, wenn sie einen Pass Rusher blocken sollten. Gibt 10 Yard und der Spielzug wird wiederholt.

Pass Interference: Ist der Ball beim Passspiel mal in der Luft, dürfen Spieler der Offensive und der Defensive nur noch auf den Ball spielen. Hindert zum Beispiel ein Cornerback den Wide Receiver daran, den Ball zu fangen, in dem er seinen Arm nach unten drückt und selbst keine Anstalten macht, den Ball auch fangen zu wollen, wird gepfiffen. Gleiches passiert, wenn der Wide Receiver den Cornerback wegstösst, bevor er den Ball fängt. Das erste ist eine „Defensive Pass Interference“ und kann ziemlich viel kosten: Es wird dort weitergespielt, wo das Foul stattgefunden hat – als hätte der Wide Receiver den Ball gefangen. Das zweite ist die „Offensive Pass Interference“. Für sie gibt es 10 Yards Strafe, und ein verlorenes Down – quasi ein Incomplete Pass mit Strafe.

Ready for Kick-Off?

So, liebe Leserin, lieber Leser, die fünf Wochen sind um. Wenn alles geklappt hat, kannst du es nun kaum erwarten, dass es richtig los geht. Kick-Off ist in der Nacht auf Freitag, 6. September, 2:30 Uhr, der letztjährige Gewinner des Superbowl, die Baltimore Ravens spielen gegen die Denver Broncos, einer der Favoriten in dieser Saison. Die meisten anderen Teams starten am Sonntag, 8. September.

Falls es aber noch nicht gereicht hat um NFL-Fan zu werden, hast du noch etwas Zeit. Reserviere dir die Nacht auf Montag, 3. Februar, dann ist Superbowl. Der läuft im Schweizer Fernsehen. Aber ich rate dir, auf einen deutschen oder österreichischen Kanal umzuschalten. Du weisst nun genug über American Football, um dich über die Schweizer Kommentatoren mehr zu ärgern als über ein blödes Foul, dass einen super Fake deines Special Teams versaut.

A Propos: zur Repetition der heuten „Lektion“ ein Video, das die heuten Themen vereint: ein regulärer Punt, ein Fake Punt Return und ein Holding, das den Touchdown. Da schreit man ganz schnell hintereinander „er geile Sieche“ und „ehr Vollpföschte“!

 The Punt that never was…

BEAR DOWN!!

In nur fünf Wochen zum NFL-Fan:
1. August       Teil 1: Die Voraussetzungen
8. August       Teil 2: Die Grundregeln
15. August    Teil 3: Die Offensive
22. August    Teil 4: Die Defensive
29. August    Teil 5: Special Teams und Special Plays

 

Simon Stalder

Brauchte auf einer USA-Rundreise mal schnell ein paar kurze Hosen… und ist seither völlig irrationaler Fan der Chicago Bears...! Grösster Erfolg als Fan: YB Schweizer Meister 1986. Grösstes Ereignis als Fan: Chicago Bears vs. Tampa Bay Buccaneers im Londoner Wembley. Grösster Erfolg als Sportler: Finisher GP Bern 2013.

Kommentare (4) Schreibe einen Kommentar

  1. Das war’s fürs Erste von mir als Sportsblogger… Mir hat das Schreiben Spass gemacht. Hoffe, euch das Lesen auch!

    Herzlichen Dank an Hans für die Gelegenheit und den Support!!

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    • Danke vielmals für Schreiben und vielleicht gibt es während der Saison mal ein kleines Best-Off an Spielszenen…

      Danke nochmals und Grüsse nach Bern!

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  2. Eine Frage: Bei einem Fake Punt, spielt die angreifende Mannschaft (die, die eigentlich den Ball „fängt“) dort weiter, wo der rennende Punter zu Boden geht..? Und was bringt das für einen Vorteil? (mit Kicken kommt man doch wohl immer weiter…)

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  3. Die kurze Antwort: Nach vorne Kicken und weiterspielen ist nicht erlaubt. Kickt ein Team den Ball mit dem Fuss, tritt sie damit das Angriffsrecht an den Gegner ab.

    Die lange Antwort:
    Der Punt wird ja anstelle des vierten Down gespielt, beispielsweise bei „4th and 5“, d.h. die Offensive hat in den ersten drei Versuchen nur 5 Yard geschafft. Würde sie im vierten Versuch die restlichen 5 Yard schaffen, könnte sie den Ball behalten. Schafft sie es nicht, geht der Ball an den Gegner, dort wo er liegt, also eventuell ziemlich nahe an der eigenen Endzone. Das Risiko ist meist zu gross und wird nur selten eingegangen (passiert aber, z.B. bei „4th and 1“). Das angreifende Team kickt deshalb den Ball so weit weg wie möglich, gibt dabei aber das Angriffsrecht ab. Die kickende Mannschaft darf den Ball zwar fangen, aber muss ihn dann dort an den Gegner abgeben.

    Beim Fake Punt stellt sich die Offensive so auf, als würde sie punten, spielt das 4. Down aber eigentlich ganz normal aus, mit einen Lauf- oder Passspiel. Der Punter wird also zum Quarterback oder Running Back (der Fake wäre ja kein Fake, würde der richtige Quarterback auf dem Feld stehen). Wenn das angreifende Team so die 5 Yard schafft, behält es den Ball, wenn nicht gebt es ihn ab, und zwar viel näher an der eigenen Endzone als wenn es gepuntet hätte.

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