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The NFL starts now – Training Camp

Football is here! Ab heute gilt es ernst für meine Chicago Bears: Training Camp startet. Bis das erste wirklich wichtige Spiel gespielt wird, dauert es zwar noch gut sieben Wochen, bis dahin werden wir europäischen Football-Fans von unseren Twitter-Freunden in Amerika aber wieder mit relevanten Tweets versorgt, und nicht mehr mit irgendwelchem Larifari-Zeugs wie Basketball, Baseball oder – Gott bewahre – Politik

Wieso aber solltest du dir diese Tweets übers Trainingslager überhaupt anschauen und nicht noch ein paar Wochen die sommerliche Ruhe geniessen? Einerseits, weil du diese Ruhe satt hast und mehr nach Football-News durstest als nach einem kühlen Bier an Feierabend. Und zweitens weil du damit dein Team, seine Möglichkeiten, seine Ambitionen, vor allem aber seine Spieler kennen lernst. Und das sind auf vielen Positionen nicht mehr die gleichen wie im letzten Winter.

Beispiel: Von sechs der 22 Chicago Bears, die als Starter im letzten Regular Season Spiel 2015 aufgeführt werden, habe ich vor Start des Training Camps noch nie was gehört. Acht spielten ihre erste Saison bei den Bears und nur zehn der 22 Spieler waren auch schon im ersten Spiel der Saison als Starter aufgeführt. Wenn du also nur die Starter des ersten Spiels kennst, hast du Ende Saison keinen Schimmer von deinem Lieblingsteam. Verfolgst du das Training Camp und seine „Position Battles“, wirst du über die Youngsters informiert sein, die irgendwann im Verlauf der Saison einem Oldie den Startplatz wegschnappen. Es sind meist diese Jungs, die den Unterschied ausmachen zwischen Sieg und Niederlage.

Das Gerüst eines NFL-Teams

Das Trainingcamp startet mit 90 Spielern, Anfang September sind es dann noch 75, ein paar Tage später 53. Dies ist die maximale Anzahl Spieler, die ein Team unter Vertrag haben darf. Sich in Uniform schmeissen am „Game Day“ ist für 46 vorbehalten.

Eine NFL-Team beschäftigt also ein bisschen mehr Spieler als eine Fussballmannschaft. Zwar sind bei beiden immer nur 11 Spieler gleichzeitig auf dem Feld, im American Football wird aber bei einem Ballverlust der Offensive die ganze Mannschaft ausgewechselt, und 11 Spieler der Defense versuchen den Ball wieder zurückzuholen. Nicht nur das, es kommen nach fast jedem Spielzug ein oder zwei frische Spieler aufs Feld.

Zählen wir mal durch: Die Offensive braucht einen Quarterback und fünf Lineman. Zudem stehen praktisch immer mindestens zwei Wide Receiver, ein Tight End und ein Running Back auf dem Feld. Macht 10 Leute. Der Elfte ist in der Regel entweder ein zweiter Running Back, ein zweiter Tight End oder ein dritter Wide Receiver. Natürlich gibt es Spezialformationen wie „Empty Backfield“, das z.B. ohne Running Back auskommt. Aber wir wollen uns ja nicht in den Details verstricken. Eine Offense braucht also nicht 11, sondern mindestens 13 Spieler, um etwas Variation in ihr Spiel zu bringen.

Und die Defense muss natürlich in der Lage sein, auf diese Variationen zu reagieren. In einer 3-4 Defense wie die Chicago Bears sie seit einem Jahr spielen stehen drei Verteidiger an der Linie (ein Nose Tackle und zwei Defensive End). Gleich dahinter sind vier Linebacker auf dem Feld (darum 3-4, im Gegensatz zu 4-3, die mit vier Lineman und drei Linebackern spielen). Im Backfield stehen zwei Cornerbacks und zwei Safetys. In einer Pass-Happy-League, wie es die NFL heute ist, wird oft ein Linebacker durch einen dritten Corner ersetzt, den Nickelback. Ein Nickel ist ein amerikanischer Fünfräppler, der Nickelback ist der fünfte Verteidiger der Secondary, der hinteren Verteidiungslinie im Football. Stehen fünf hinten, geht das mit der 3-4 Defense gemäss Adam Riese nicht mehr auf. Also muss in der Nickelformation einer der vorderen acht vom Feld, in der Regel ein Linebacker. Fazit: Die Defense braucht mindestens 12 Spieler.

Und dann sind da noch die Jungs, die bei Seitenwechsel aufs Feld müssen, die Special Team Player. Der Kicker, der Punter und der Longsnapper sind die drei Typen, die weder in der Offense noch in der Defense zu gebrauchen sind. Die drei Buddies kommen in unterschiedlichen Formationen aufs Feld. Bei einem Field Goal braucht es alle drei: Longsnapper snapt Ball zum Holder (in der Regel der Punter), der stellt ihn aufrecht auf den Boden und Kicker kickt. Beim Punt puntet der Punter direkt, da braucht es keinen Kicker. Und bei Ankick zu Spielbeginn oder nach der Pause hält ein Ständer den Ball und der Kicker kickt ohne Snapper und ohne Holder=Punter. Alles klar? Anyway, die anderen acht bis zehn bei Special Team Spielzügen sind normale Spieler der Offense oder Defense.

Drei Specialteamer, 13 Offense und 12 Defense. Willst du Football spielen, brauchst du mindestens 28 Leute. Weit wirst du damit aber nicht kommen. Zum einen willst du deine Spieler auch mal ausruhen lassen, das geht im American Football nicht mit minutenlangem Mittelfeldgeplänkel, dafür brauchen deine Jungs Pause und Sauerstoff. Zum anderen wird sich der eine oder andere deiner Spieler verletzen, irgendwann mal, ein bisschen.

Du brauchst also Ersatzleute. Für jeden einen und wir sind bei 56. Das sind drei mehr als erlaubt sind, ein Team darf zu Saisonstart 53 aktive Spieler unter Vertrag haben. Streichen wir also die Ersatzleute für die drei Specialteamer, und wir sind bei 53. Diese Faustregel kann grundsätzlich angewendet werden. Einige Teams behalten drei Quarterbacks oder einen siebten Defensive Lineman, dafür nur drei Runningback. Je nach, welchen Ersatzspieler man in den Special Teams besser brauchen kann.

Für diejenigen, die es noch genauer wissen wollen: Hier gibt es mehr zur „Anatomie eines NFL-Roasters“ .

Das Training Camp formt das Team

Im Trainingcamp wird nun entschieden, wer bleiben darf und wer gehen muss. Mit 90 Leuten herrscht ganz schon viel Betrieb auf dem Trainingsgelände. Meist wird in verschiedenen Teams trainiert. Die designierten Starter im 1st Team, die Backups im 2nd Team und der Rest im 3rd oder sogar 4th Team. Spannend wird es dann, wenn ein Spieler vom zweiten ins erste Team befördert bzw. einer vom ersten ins zweite Team relegiert wird. Für einen älteren teuren Spieler kann das bereits das Ende der Saison bedeuten, zumindest in deinem Team. Jedes Jahr wird der eine oder andere Star kurz vor der Saison entlassen, um Geld zu sparen und Platz zu machen für einen jungen Spieler. Viel Futter also für die Medien und die Blogger, für uns Fans viel Spass und vor allem viel Vorfreude auf den 8. September. Dann ist Kick-Off, und was für einer. Superbowl-Rematch, Panthers @ Broncos, ohne Payton Manning, dafür mit Mark Sanchez oder 1st-Round Pick Paxton Lynch als Quarterback.

Simon Stalder

Brauchte auf einer USA-Rundreise mal schnell ein paar kurze Hosen… und ist seither völlig irrationaler Fan der Chicago Bears...! Grösster Erfolg als Fan: YB Schweizer Meister 1986. Grösstes Ereignis als Fan: Chicago Bears vs. Tampa Bay Buccaneers im Londoner Wembley. Grösster Erfolg als Sportler: Finisher GP Bern 2013.

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